Pädagogik-Experte plädiert für Lockerung des Homeschooling-Verbots
(epd) - Der Bonner Pädagogik-Experte Volker Ladenthin hat sich für eine Lockerung des so genannten Homeschooling-Verbots in Deutschland ausgesprochen. Das Bildungssystem müsse Optionen für Eltern bereit halten, die ihre Kinder auf verantwortungsvolle Weise zu Hause unterrichten wollten, sagte der Erziehungswissenschaftler am Montag in einem epd-Gespräch. Der außerschulische Unterricht könne jedoch nur funktionieren, wenn er eng an Schulen angebunden werde, sagte Ladenthin. Das Erlernte müsse in Prüfungen abgefragt werden.
Das staatliche Schulsystem in Deutschland entspreche nicht mehr den Gegebenheiten einer pluralen, multikulturellen und multireligiösen Gesellschaft, erklärte der Pädagogik-Professor. Homeschooling könne keine allgemein gültige Alternative sein, sondern ein Ausweg für spezielle Einzelfälle.
Der Unterricht zu Hause dürfe jedoch nicht dazu missbraucht werden, Kinder von der Wirklichkeit fernzuhalten, sagte er mit Blick auf Eltern, die ihre Kinder aus religiösen Gründen nicht am Schulunterricht teilnehmen lassen wollen. «Homeschooling als Verweigerungshaltung halte ich für eine Verkürzung», betonte Ladenthin.
Als Beispiel für erfolgreiches Homeschooling nannte Ladenthin die USA. Dort habe die Unterrichtsform eine lange Tradition, die beteiligten Eltern würden intensiv begleitet. In Deutschland besteht eine Schulpflicht. Hausunterricht ist nur in Ausnahmefällen erlaubt, etwa bei im Ausland lebenden Familien oder Kindern, die lange Zeit im Krankenhaus bleiben müssen.
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